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Laurence Bougault und Almila,

eine turkmenische Stute,

6500 km von Ispahan bis Paris, 

auf den Spuren der antiken Völkerwanderungen

von Zentralasien nach Europa

 

Laurence Bougault, Reiterin seit Kindesbeinen, hat ihr Können schon 2001 unter Beweis gestellt, als sie zu Pferde mehr als 3300 km in Süd-Ost-Afrika zurücklegte.

Sie hat dieses Abenteuer in ihrem Buch « Sous l’œil des chevaux d’Afrique » festgehalten (Edition Belin).

Seit einigen Jagren geht sie einer Passion für eine seltene Perderasse nach, die Akhal-Teke. Daher die Idee für einen neuen Trail, noch ehrgeiziger als der vohergegangene : 7000 Kilometer in weniger als sechs Monaten mit einem Akhal-Teke-Pferd, dem wichtigsten Vertreter turkmenischer Pferde.

Dieses Projekt verbindet mehrere Aspekte der Reise zu Pferde, die Laurence Bougault wichtig sind : der sportliche Aspekt, da es darum geht diese lange Distanz in einer begrentzten Zeit zurückzulegen ; der kulturelle Aspekt, in dem Sinne, dass dieser Trail die Route prähistorischer Migrationen nachzeichnet, die die Völker Zentralasiens und des Nahen Ostens bis an den Rand Europas brachten (vor allem die Kelten) ; der kulturelle Aspekt um das Pferd selbst, denn der Akhal-Teke, ein seltenes und seit der Antike geschätztes Pferd, ist an sich ein Kulturerbe, dass mehr Aufmerksamkeit verdient.

Letztendlich der menschliche Aspekt, denn der Akhal-Teke gilt in seinem Ursprungsland, Turkmenistan, als Friedenssymbol und er soll auf dieser Reise eine symbolische Brücke schlagen zwischen zwei grossen Kulturen : der Kultur des Mittleren Ostens mit einem toleranten Islam im Zentrum, der Platz für alle Religionen lässt, eingeschlossen der der Zorastrier, der ersten grossen monotheistischen Religion – und der westlichen Kutlur griechisch-römischen Ursprungs.

Almila

Laurence hat Almila im Oktober 2007 entdeckt, auf dem ersten unter der Schirmherrschaft von Louise Firouz organisierten Festival des Pferdes in Isfahan, auf das sie als Akhal-Teke-Züchterin und Distanzreiterin eingeladen war.

Die 200 Pferde, die an der Schau für Typ und Gang teilnahmen kamen aus dem ganzen Land, vor allem aus den Provinzen Golestan und Nord Khorassan in denen noch authentische Turkmenenstämme leben, die sich in den 30er Jahren in der Region niedergelassen haben.

 

« Als ich mich durch die Stände des Festivalgeländes schlängelte », erinnert sich Laurence, « entdeckte ich Almila, gut eingemummt in namad und gelaë (traditionnelle Decken aus Baumwolle und Filz). Sie erschient mir sofort als ideal für die Reise auf lange Distanz. Almila ist im Nord-Khorassan geboren, bei dem Klan der Yazdani der sehr bekannt ist im Iran für die Qualität seiner Pferde. Der Klan betreibt die Pferdeaufzucht noch auf traditionnelle Weise, d.h. die Pferde leben auf dem Hof des Hauses, angebunden an einen langen Strick und eingemummt in mehrere Schichten von Decken aus Filz und Baumwolle. Sie werden sechs mal am Tag gefüttert, im Wechsel mit Gerste und Luzerne.

 

Nur die Zuchtstuten verbringen den Sommer frei in den Bergen. Almila hat somit bis zu ihrem dritten Lebensjahr unter nahezu authentischen turkmenischen Aufzuchtsbedingungen gelebt.

 

Auf dem Festival wurde sie an Amir Raisi verkauft, einen pferdebegeisterten Geschäftsmann, der aber nur Züchtung betreibt. Sie blieb daher zwei Jahre lang inaktif in der Box. Nachdem ich zwei Jahre lang im Iran nach einem vergleichbaren Pferd gesucht habe, entschied ich mich, mit dem neuen Besitzer Kontakt aufzunehmen mit dem Voschlag, mitr Almila für die Reise zu leihen. Er hat eingewilligt. »

Die traditionnelle turkmenische Züchtung im Iran besteht darin die zwei turkmenischen Haupttypen zu kreuzen : die Yamoud und die Akhal-Teke, um Inzucht zu vermeiden. Weitab der Einflüsse des Englischen Vollblutes die die Rasse abschwächen, ermöglicht diese ständige Vermischung einen soliden Pferdetyp zu erhalten und keine Showpferde.

 

Der Klanchef der Yazdani ist ein alter Mann mit langem Bart, ein echter ata und er besitzt ein immenses Wissen über die Abstammungslinien der Pferde.

Der Hauptbestand führt direkt zurück auf die Akhal-Pferde auf denen der Klan in den 30er Jahren im Iran angekommen ist.

Die Turkmenen im Iran glauben absolut nicht an eine enge Auffassung von Rassenreinheit die Akhal-Teke und Yamoud trennt. Die beiden Terme bezeichnen für sie zwei Gebäudetypen : die Yamoud haben einen soliden Typ und werden ihrer körperlichen Widerstabdsfähigkeit wegen geschätzt ; die Akhal-Teke sind dagegen leichter und werden geschätzt für ihre Geschwindigkeit.

Die genetische Mischung der beiden Typen resultiert in Pferden, die zugleich feingliedrig, typstark, schell und resistent sind und viele Fähigkeiten aufweisen, am Hindernis inbegriffen.

Doch die meisten dieser Pferde stammen aus der Region des Akhal und die Turkmenen des Iran gehören fast alle dem Stamm der Teke an.

 

Bleibt festzuhalten, dass Almila eine ausgezeichnete Abstammung aufweist. Sie war auf dem Festival im übrigen die Bestplatzierte in den Kategorien ‘3jährige Stuten’ und ‘Stuten im Allgemeinen’. Sie ist also eine der besten turkmenischen Stuten des Irans. Schade, dass sie nicht ins russische Studbook eingetragen ist, sie brächte ein frisches und interessantes Blut für diese Rasse die wir so lieben.

 

Die Herausforderung

Dieses Abenteuer unterscheidet sich sehr vom vorhergegengenen. Während es auf der Reise durch Afrika auf die komplette Autonomie angelegt war mit Hilfe eines Packpferdes, ging es diesmal vor allem um die Geschwindigkeit.

Bis heute hält Dmitri Nicolaïevitch Pechov mit seinem Pferd Serko den eingetragenen Rekord mit einer Strecke von 8838 km von Blagovechtchenks nach St. Petersburg, zurückgelegt zwischen vom 7. November 1889 und dem 19. Mai 1890 also in 193 Tagen, was einen Durchschnitt von 45,8 km am Tag bedeutet wenn man die unfreiwilligen Ruhetage zählt (Pechkov wurde während seiner Reise krank) und 57,4 km wenn man nur die Marschtage in Betracht zieht.

 

Das Abenteuer

Das Abenteuer nahm Form an am 2. April 2009, nach 10 Tagen harter Vorbereitung. Ich hatte Almila seit 2007 nicht wiedergesehen !

Sie ist gewachsen (160 Widerristhöhe) aber hat all ihre Qualitäten beibehalten : starke Hinterhand, sehr korrektes Fundament, gute Rückenlinie. Sie hat auch einen starken Rassetyp : wenig Mähne, lange Ohren, mandelförmige Augen, typischer Teke-Hals. Man erkennt sie sofort als Vertreter ihrer Rasse. Das ist wichtig, da die Reise diese seltene Rasse bekannter machen soll.

Wir haben Isfahan verlassen mit dem Ziel Paris. Alles schien auf dem ersten Blick unmöglich : Kein Pferd hat je den Iran in Richtung Europa verlassen, mindesten seit der Islamischen Revolution. Keinerlei Zollabkommen existierte.

Aber durch langen Atem haben wir die bisher verschlossenen Türen öffnen können.

Pechov hat seine Reise allein und ohne Hilfe bewerkstelligt. Aber zu seiner Zeit waren Pferde allgegenwärtig und die Poststellen fungierten als Herberge und Versorgungsstellen für Pferde und Reiter.. Es gab keine Probleme mit dem Zoll innerhalb des Russischen Reiches und auch keine Autobahnen die die Reise erschwerten.

Um die modernen Schwierigkeiten der Streckenführung auszugleichen, was die Versorgung, Ernährung und Unterbringung für das Pferd anbetrifft so wie die behördlichen Scherereien an den Grenzübergängen, brauchte das Team eine minimale Unterstützung : Ein Begleitfahrzeug mit einem Mann des Vertrauens.

Eine andere Schwierigkeit war das mangelnde Training Almilas, dem Partner Pferd, die zwei Jahre in einer komfortablen Box gelebt hat ohne das Geringste zu tun. Ich habe somit beschlossen, das Training auf der Reise vorzunehmen, indem wir uns von anfänglichen 30 km pro Tag auf 80 km zum Ende der Reise hin steigerten.

Nach und nach hat meine Stute an Kondition gewonnen. Leider ist sie bei unserer Ankunft in der Türkei angefallen und strak am rechten Schenkel verletzt worden – eine Wunde von 5 cm Länge und 5 cm Tiefe. Trotz der Verletzung hat Almila an keinerlei Lahmheit oder Entzündung gelitten. Sie ist gut verheilt und hat ihre Arbeit wie ein mutiges Schlachtross fortgeführt.

Wir sind gut vorangekommen, selbst während der sommerlichen Hitze in Griechenland und Italien und wir erreichten Fountainbleau am 12. November 2009 nachdem wir 6504,2 km in 164 Tagen und in 140 Marschtagen zurückgelegt hatten.

Dies ist die längste Distanz, die zu Neuzeiten von einem Akhal-Teke zurückgelegt wurde (fast das Doppelte der berühmten Trails von Ashgabat nach Moskau 1935 und 1988).

Diese Leistung hat des ermöglicht, den Akhal-Teke in Ländern zu zeigen, in denen er noch wenig bekannt ist : Griechenland, Italien und Frankreich. Das Ereignis hat in allen durchquerten Ländern vom Akhal-Teke reden machen, im Fernsehen, Radio und in der Presse.

Wenn wir auch weit entfernt von Pechkovs und Serkos Rekord sind, muss man hier aus praktischen Gründen relativieren :

  • eine Stute ohne initiales Training, im Gegensatz zu Serko, der ein Armeepferd war
  • der Zeitverlust durch organisatorische Gründe, wie die drei letzten eher kurzen Tage aufgrund eines zuvor festgelegten Ankunftsdatums, zwei obligatorische Monate in der Türkei, wo wir anderthalb Monate gebraucht hätten
  • Feindseligkeiten, wie der Angriff auf Almila

Würden wir jetzt wieder aufbrechen, wären wir ohne Zweifel schneller, denn wir beide sind in Höchstform.

 

 

 

 

 

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